Über uns | Domgemeinde St. Eberhard
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Die geschichtliche Entwicklung der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart

 

Kapitel 1: Von der Frühzeit bis zu Herzog Ulrich 1534

Kapitel 2: Die Reformation und ihre Folgen 1534 - 1733

Kapitel 3: Die Hofkapelle der katholischen Herzöge 1733 - 1798

Kapitel 4: Das katholische Privat-Bethaus 1798 - 1806

Kapitel 5: Die katholische Stadtpfarrgemeinde St. Eberhard 1806 - 1978

Kapitel 6: Die Domgemeinde St. Eberhard, Konkathedrale des Bischofs (ab 1978)

 

Kapitel 1: Von der Frühzeit bis zu Herzog Ulrich 1534

Cannstatt hat das Privileg, um 700 auf der Altenburg, dem Platz eines früheren römischen Kastells, die Kirche St. Martin, Mutterkirche der links des Neckars liegenden alamannisch-fränkischen Orte, besessen zu haben. Herzog Luitolf von Schwaben hat 950 sein Gestüt, den Stuotengarten, im Nesenbachtal angelegt und dort ein Kirchlein errichtet. Die Reste dieser frühromanischen Kirche liegen, wie archäologischen Grabungen in der Stiftskirche ergeben haben, unter dem Mittelschiff der Stiftskirche. Urkundlich erscheint 1275 im Zinsbuch der Priester der Diözese Konstanz der Pfarrer Bertholdus auf der Altenburg, dem die Vorgängerkirche der heutigen Stiftskirche unterstanden hat. 1320 verlegten die Grafen von Württemberg ihr Stift Beutelsbach samt gräflicher Grabstätte nach Stuttgart, das bereits 1229 urkundlich genannt ist. In der Fundationsbulle des Papstes spricht dieser dabei die Vereinigung der Altenburger Kirche mit der Stuttgarter Stiftskirche aus. 1424 wird die Leonhardskirche als Leutekirche, 1471 das Dominikanerkloster mit der Liebfrauenkirche, die heutige Hospitalkirche errichtet. Die Marienkapelle in Heslach wird 1497 zur beliebten Wallfahrtskirche der Stuttgarter. Dieser Zustand mit religiöser Ausformung durch Prozessionen und Bruderschaften blieb, bis 1534 durch Herzog Ulrich die Reformation eingeführt wurde.

 

 

Kapitel 2: Die Reformation und ihre Folgen 1534 - 1733

Herzog Ulrich, seit 1498 im Amt, wurde 1519 wegen Missregierung und Landfriedensbruch vertrieben und kaiserlich regiert. Schon 1514 erhoben sich die Bauern gegen die ungerechte Obrigkeit, wozu damals auch die Kirche gehörte. Unzufrieden mit der österreichisch-habsburgischen Besatzung, bejubelten die Stuttgarter 1534 ihren siegreichen Herzog, der bald darauf "evangelisch" predigen ließ, die Stuttgarter Kirchen reformierte und 1535 die katholische Messe und ihre Pfarrer per Dekret abschaffte. In Erhard Schnepf und Matthäus Alber fanden sich aber evangelische Prediger von Format.

Währen des Interims von 1548 - 1552 wurden wieder katholische Gottesdienste in der Stiftskirche gelesen. Die Evangelischen hatten aber "die besseren Männer". Der seit 1552 regierende, gerecht und religiös eingestellte Herzog Christoph ordnete nach dem Augsburger Religionsfrieden 1554, der den Fürsten das Recht zur Festlegung der Religion in ihrem Lande zugestand, das evangelische Kirchenwesen wirksam neu. 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen mit dem Sieg der katholischen Kaiserlichen über die evangelischen Schweden übernahm erneut Österreich die Regierung in Stuttgart. Die Jesuiten erhielten die Stiftskirche, die bis 1648 eine simultane Kirche blieb. Erheblichen Ärger gab es, als damals die Grabdenkmäler der evangelischen Reformatoren und Pastoren aus der Stiftskirche entfernt wurden und der verstorbene Jesuitenpater Eusebius Reeb im Grab des Reformators Johannes Brenz zusätzlich bestattet wurde.

Nach dem Westfälischen Frieden 1648 wurde die evangelische Religion in Württemberg einzige Staatsreligion. Die katholischen Gottesdienste wurden verboten. Für Taufen, Heirat und Begräbnis waren auch für Katholiken die protestantischen Pastoren zuständig. Mit Einzelerlaubnis der Herzöge durften die Katholiken zu solchen Anlässen die katholischen Pfarrer in Hofen, Oeffingen oder Neuhausen aufsuchen. Nur den ausländischen katholischen Gesandten waren katholische Privatgottesdienste in deren Privathäusern erlaubt, die von den wenigen katholischen Einheimischen besucht werden durften. Katholiken konnten in Stuttgart kein Bürgerrecht, kein Eigentum und keine eigenen Geschäfte betreiben. Dieser Zustand hielt bis 1733 an.

 

 

Kapitel 3: Die Hofkapelle der katholischen Herzöge 1733 - 1798

Herzog Eberhard Ludwig starb 1733 ohne direkte Nachkommen. Nachfolger wurde Herzog Karl Alexander, der 1712 als österreichischer Feldmarschall in Wien zum katholischen Glauben konvertiert hat. Karl Alexander musste zwei Religionsreversalien unterschreiben, bevor er von den württembergischen Landständen als Thronfolger anerkannt wurde. In zwei weiteren Reversalien musste er versprechen, außer der evangelische Staatsreligion keine anderen Religion im Lande anzuerkennen. Karl Alexander beanspruchte jedoch für sich das Recht zur Haltung einer katholischen Hofkapelle mit katholischen Predigern. Hierzu wurden ihm der Rittersaal und später der große Saal im Alten Schloß zugewiesen. Dazu berief der Herzog Kapuzinerpatres aus der Schweiz, denen jedoch jegliche Betätigung außerhalb der Gottesdienste in der Stadt verboten waren. Der Besuch der Hofkapelle, die nun zum Kristallisations-punkt der kleinen katholischen Gemeinde wurde, war den Katholiken gestattet. Der "unbeliebte katholische Herzog" Karl Alexander starb bereits 1737. Nachfolger wurde sein ebenfalls katholischer Sohn Karl Eugen (1737 - 1793). Nach stürmischen Jahren "widmete sich der Herzog auch der Religion" und holte aus dem ganzen Land, bevorzugt aus den Klöstern, berühmte und fortschrittliche Prediger an seinen Hof, so auch den Benediktinerpater Werkmeister aus Neresheim. Durch die Reform der katholischen Gottesdienste und der intellektuell und im Geist der Aufklärung wirkenden Hofkapläne stieg deren Ansehen. So wurde der Hof in Stuttgart "zum Sitz der Aufklärung". Mit dem Tod des Herzogs 1793 "ging der Glanz seiner Kirche und die Glückseligkeit seiner Hofkapläne zu Ende" wie später Hofkaplan Peter Wiehn schrieb. Nachfolger wurde 1793 Karl Eugens katholischer Bruder Ludwig Eugen (1793 - 1795), der in Religionssachen wieder sehr konservative Ansichten hatte, die deutsche Sprache im Gottesdienst abschaffte und die meisten Hofprediger entließ. Herzog Ludwig Eugen starb bereits 1795 nach nur zweijähriger Regierungszeit. Dessen katholische Nachfolger wurde sein Bruder Friedrich Eugen, der die Änderungen seines Bruders in Religionssachen wieder aufhob. Weitere Reformen konnten durch die wieder eingesetzten Hofprediger eingeführt werden, weil die Hofkapelle exemt, d.h. von jeglicher Jurisdiktion eines Dekans oder Bischofs unabhängig und nur den Entscheidungen des weit entfernten Roms unterstellt war. Auch Herzog Friedrich starb bereits 1797.

 

 

Kapitel 4: Das katholische Privat-Bethaus 1798 - 1806

Nachfolger wurde der seit seinem 8. Lebensjahr evangelisch erzogene Sohn, Herzog Friedrich II. (der spätere Kurfürst 1803 und König Friedrich I. 1806). Für die Katholiken war dies ein großes Problem, weil die Existenz der Hofkapelle nur "auf die höchste Person eines katholischen Regenten" abgestellt war.

 

Sorgenvoll schrieb der Senior-Hofkaplan  W i l h e l m    M e r c y (1787 - 1798) an den neuen Regenten und erhielt schon 2 Tage später die unerwartete aber positive Antwort "dass die katholischen Gottesdienste weitergingen wie bisher". 1798 wurde die Katholische Hofkapelle mit Herzoglichem Dekret aufgelöst und in einen Personalverband von katholischen Geistlichen in einem katholischen Bethaus umgewandelt, das aber weiterhin dem evangelischen Konsistorium unterstellt blieb. Als Bethaus wurde den Katholiken das Auditorium der ehemaligen Karlsakademie zur Verfügung gestellt. Pfarrer Mercy stellte beim ersten Gottesdienst freudig fest, dass nunmehr die Erlaubnis zum Gottesdienst "für uns selbst und nicht mehr nur für den Herzog" gegeben und der Unterhalt vom Herzog bestritten würde. Pfarrer Wilhelm Mercy erhielt 1798 vom Herzog die Pfarrei Gruol bei Haigerloch zugewiesen.

 

Der Herzog ernannte P e t e r  W i e h n (1794 - 1795 u. 1798 - 1806) bisher Kaplan in Steinbach bei Pfarrer Werkmeister zum neuen "Pfarrer der katholischen Gemeinde in Stuttgart". Kontakte des Pfarrers zu anderen kirchlichen Stellen durften nur über den Herzog laufen. Nur in Fragen des Gewissens, in "blos geistlichen Sachen" durfte sich die Pfarrei dem Bischof von Konstanz unterstellen. 1806 wurde Pfarrer Wiehn vom Herzog auf die Pfarrei Kirchen bei Ehingen im Tausch mit dem dortigen Pfarrer Heinrich von Brentano versetzt.

 

Pfarrer H e i n r i c h  v o n  B r e n t a n o (1806 - 1808) wurde gleichzeitig Mitglied des Königlich Katholischen Geistlichen Rats der geschaffen wurde, um die Rechte des Staates gegen die katholische Kirche zu wahren. Dieses Gremium wurde zwar eine Hochburg der Aufklärung und des Staatskirchentums, erhielt oder nahm sich aber "bischöfliche Rechte" gegenüber den katholischen Gemeinden in Württemberg heraus.

 

 

Kapitel 5: Die katholische Stadtpfarrgemeinde St. Eberhard 1806 - 1978

Das Königreich Württemberg erhielt durch die Säkularisation zahlreiche geistliche Güter mit katholischen Untertanen, auf die der König künftig Rücksicht nehmen musste. Mit seinem Religionsedikt vom 15.10.1806 erhielten beide Konfessionen königlichen Schutz und Gleichberechtigung.

Der Protestantismus blieb aber beherrschende Staatsreligion. Dem Katholischen Bethaus in Stuttgart brachte das Edikt die Wandlung des Privatgottesdienstes zu einer Stadt- und Garnisonspfarrei mit allen Parochialrechten und zu uneingeschränkter Pastoration in der Stadt. Im September 1807 musste das Bethaus in der Akademie geräumt werden. Zuerst wurde den Katholiken die Französische Kirche beim Bebenhäuser Hof zugewiesen. Da diese Kirche zu klein war, erreichte Stadtpfarrer von Brentano die Zuweisung der ehemaligen Garnisonskirche dort wo heute das Landesgewerbeamt / Haus der Wirtschaft steht. Auf weiteres Drängen von Brentanos entschied König Friedrich mit Dekret vom 30.10.1807 die Versetzung der evangelischen Solitudekirche als katholische Stadtpfarrkirche auf einen in der Königstraße für den König reservierten Platz, auf dem sie heute noch steht.

1808 wurde Stadtpfarrer Heinrich von Brentano in einer Nacht- und Nebelaktion nach einem nächtlichen Verhör durch den König mit dem Stadtpfarrer von Radolfzell, Johann Baptist Keller ausgetauscht. In dieser Sache hat auch Kronprinz Wilhelm und der Geistliche Rat Werkmeister eine bis heute nicht geklärte wohl aber negative Rolle gespielt.

 

Der neue Stadtpfarrer und Geistliche Rat  J o h a n n    B a p t i s t  K e l l e r (1808 - 1816) wurde neben seinen Pfarraufgaben vom König mit häufigen Missionen und Verhandlungen im Ausland betraut. In seiner Abwesenheit war der Geistliche Rat Benedikt Maria Werkmeister "Direktor der katholischen Gemeinde in Stuttgart". Der Grundstein zur neuen katholischen Kirche wurde 1808 "in aller Stille" gelegt. Die Kirche erhielt ihre Weihe am 1. Oktober 1811 durch den Weihbischof von Augsburg, Fürst Karl von Hohenlohe. Dieser soll am Abend vorher auf Rückfrage vom König die Mitteilung erhalten haben, die Kirche solle den Namen seines Vorfahren, des Grafen Eberhard im Bart erhalten. So heißt die Kirche bis heute Eberhardskirche. Als Patron wurde wohl der Hl. Eberhard I, Erzbischof von Salzburg angenommen, obwohl dieser zwar im Heiligenkalender der Diözese Salzburg, nicht aber der Römischen Kirche genannt wird. Später wurde der Selige Eberhard von Nellenburg favorisiert, der Gründer des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Bischof Leiprecht hat dann bei der Konsekration der wiedererbauten Kirche 1955 den Stein des Weisen gefunden, indem er in der Weiheinschrift beide Eberharde als Patrone der Kirche bestimmt hat. Am 15. Juni 1816 wurde Stadtpfarrer Keller vom Papst zum Weihbischof geweiht und zum Provikar des Generalvikars in Ellwangen ernannt. Die Pfarrei selbst wurde im gleichen Jahr Dakanatspfarrei für die Residenzstädte Stuttgart und Ludwigsburg und für die Pfarrei des damaligen Landesgefängnisses Hohenasperg.

 

 

Als neuer 3. Stadtpfarrer und Dekan kam der bisherige Stadtpfarrer von Eßlingen, G e o r g  A n t o n  S i n z (1816 - 1834) an die Eberhardskirche. Am 30.10.1816 starb König Friedrich I., vom Papst als Förderer der Katholiken gelobt, von Napoleon als harter, aber geistvoller Mann beschrieben. Sein Nachfolger wurde König Wilhelm I., der 1817 die Verlegung des bisherigen Generalvikariats von Ellwangen nach Rottenburg verfügte. Gleichzeitig erhielt die Dekanatspfarrei St. Eberhard die von der Diözese Speyer abgetrennten Pfarreien Weil der Stadt und Dätzingen und 1818 das vormalige Dekanat Neuhausen mit den Pfarreien Unterboihingen, Wernau, Oeffingen und Hofen. Gleichzeitig wurde die Exemtion der Gemeinde aufgehoben und diese dem Generalvikar Keller in Rottenburg zugewiesen. Stadtpfarrer Sinz errichtete in Stuttgart die erste katholische Volksschule der Stadt. Nach Abschluss eines Konkordats zwischen Württemberg und Rom mit Schaffung der Diözese Rottenburg, wird dort 1828 der ehemalige Stadtpfarrer von St. Eberhard, Johann Baptist Keller zum ersten Bischof dieser Diözese ernannt. Die fast allumfassende Kontrolle des Bischofs und der Gemeinden durch König und Katholischen Kirchenrat blieb jedoch bestehen, was zur Gegenreaktion des Ultramontanismus auf katholischer Seite führte. Stadtpfarrer Sinz verließ 1834 St. Eberhard und wurde Oberkirchenrat beim Königlichen Katholischen Kirchenrat in Stuttgart.

 

 

Neuer und 4. Stadtpfarrer und Dekan in St. Eberhard wurde A n t o n  V o l z (1834 - 1840), bisher Professor am Gymnasium in Rottweil, der 1837 die Katholiken von Cannstatt, die bisher nach Hofen eingepfarrt waren, übernahm. Bereits nach 6 Jahren verließ Stadtpfarrer Volz die Gemeinde, als er nach dem frühen Tod seines Vorgängers, Oberkichenrat Sinz, dessen Nachfolge antrat.

 

 

Seine Nachfolge als 5. Stadtpfarrer und Dekan trat      T h a d d ä u s  R i t z (1841 - 1848) an, bislang Pfarrer in Weißenstein bei Donzdorf, der endlich eine Amtswohnung in der Kanzleistraße 3 erhielt. Die sich immer mehr verschlechternde Bausubstanz der Kirche an Gewölbe und Seitenwände erforderte deren Teilrenovierung. 1848 hörte die Dekanatspfarrei St. Eberhard auf, weil die Wahl der Dekane künftig durch das Landkapitel erfolgte. Stadtpfarrer Ritz wurde 1848 als Domkapitular nach Rottenburg abberufen.

 

 

Nach einer Gemeindeinitiative wurde der sehr beliebte Kaplan A n t o n  D a n n e c k e r (1849 - 1860) von St. Eberhard zum 6. Stadtpfarrer ernannt, dem weitere Bittbriefe an den Königlichen Katholischen Kirchenrat mit Hinweise auf den gefährlichen baulichen Zustand seiner Kirche nicht erspart blieben. Als erste Tochter wurde 1858 die Martinsgemeinde in Cannstatt mit den Katholiken auch von Berg, Gaisburg, Untertürkheim, Wangen, Rotenberg und Münster abgetrennt. "Gegen seinen Willen" wird Stadtpfarrer Dannecker 1860 als Domkapitular nach Rottenburg berufen.

 

 

7. Stadtpfarrer und Oberschulrat wurde der bisherige Stadtpfarrer von Eßlingen, F r i e d r i c h Z i m m e r l e (1861 - 1893). "Einen wohlgeordneten Einklang zwischen Kirche und Staat" brachte das neue württembergische Kirchengesetz von 1862, das bis zum Ende der Monarchie 1919 Bestand hatte. Mit dem Kauf des Hauses Kanzleistraße 23 erhielten die Geistlichen an St. Eberhard ein neues Amtswohnhaus. Die Stelle des Präses des Stuttgarter Gesellenvereins wurde mit der zweiten Vikarsstelle an St. Eberhard verbunden. In der Militärstraße 2 errichtete Zimmerle ein neues Gesellenhaus, das zum "Bollwerk des Katholizismus" in Stuttgart wurde mit Verlegung 1869 in die Schlosserstraße. Die vom Kirchenbauverein St. Eberhard angesammelten ansehnlichen Mittel wurden für den Bau der 1879 eingeweihten Marienkirche, mit dem Gebiet zwischen Ende Königstraße bis vor Heslach, verwendet. 1886 wird die private katholische Töchterschule (St. Agnes) und 1891 die katholische Römerschule erstellt. Stadtpfarrer Zimmerle tritt 1893 nach 33 Jahren Dienst in St. Eberhard mit 77 Jahren und dem Titel eines Oberkirchenrates in den Ruhestand und stirbt bereits 5 Monate später.

 

 

Als 8. Stadt- und Garnisonspfarrer und späterer Stadtdekan nimmt K o n r a d  M a n g o l d  (1893 - 1927), bisher Kaplan in St. Eberhard, seine Dienst auf. Mit der Errichtung der Nikolauskirche werden 1896 die Katholiken der "unteren Stadt", von Berg, Gaisburg und Gablenberg der neuen Pfarrei zugewiesen. 1898 zieht die Marienanstalt in das Gebäude Katharinenstraße 4 ein und mit der Gründung der Pfarrei St. Elisabeth gehen 5 800 Seelen der Weststadt, von Heslach und Vaihingen, von St. Eberhard weg. 1914 folgen die Katholiken der Nordstadt, die in St. Georg eine neue Heimat finden. Wegen des bedrohlichen Bauzustands bemühte sich Prälat Mangold um einen Bauplatz für eine neu zu erbauende Eberhardskirche auf dem Marstallgelände in der Achse der Kronenstraße.

Nicht angenommen wurde 1922 das Angebot der Stadt, die Kirche in den alten Bahnhof in der heutigen Bolzstraße zu verlegen. Ein weiteres Gemeindeteil wurde 1925 mit dem Bau der Fideliskirche abgegeben. Prälat Mangold trat 1927 in den Ruhestand.

 

Der bisherige Pfarrer von Dietenheim und vormaliger Präses des Gesellenvereins in Stuttgart, R u d o l p h   S p o h n (1927 - 1955) wurde 9. Stadtpfarrer in St. Eberhard. Zwei große Probleme, die Einschränkungen durch den Nationalsozialismus und der 2. Weltkrieg sowie der Umbau und Wiederaufbau der Kirche haben ihn ständig gefordert. 1933 hatte sich der bauliche Zustand der Eberhardskirche so verschlechtert, dass eine amtlich Schließung drohte. Der Umbau durch Architekt Hugo Schlösser war 1934 beendet. Im gleichen Jahr wurde das Gebiet zwischen Heidehofstraße und Geroksruhe der neuen Pfarrei Herz Jesu zugewiesen. 10 Jahre später, im April 1944 wurden Pfarrhaus und Kirche durch Luftangriffe im 2. Weltkrieg völlig zerstört. Nach verschiedenen Zwischenstationen fand die Gemeinde von 1948 bis 1955 Heimat im instandgesetzten Kuppelsaal des Kunstgebäudes am Schloßplatz in der sogenannten Interimskirche. 1954 wurde das Gebiet Frauenkopf mit Bischöflicher Verfügung dem Pfarrgebiet St. Eberhard angeschlossen. Nach langen Querelen zwischen Prälat Spohn, Diözesankunstverein und Bischöflichem Ordinariat wurde die Eberhardskirche 1955 am alten Platz wieder aufgebaut und eingeweiht. Nach vollbrachter Arbeit trat Prälat Spohn 1955 in den Ruhestand.

 

 

Sein Nachfolger als 10. Stadtpfarrer und Dekan wurde J o s e p h  V o g e l (1955 - 1970), bisher hauptamtlicher Präses des Stuttgarter Gesellenvereins. Zum 150. Kirchenjubiläum 1961 erhielt die Chorwand das große Mosaik "Der wiederkehrende Herr" von Otto Habel. Gemeindezentrum und Kirche St. Konrad in der Stafflenbergstraße wurden 1967 eingeweiht und der neuen Pfarrei 1969 das Gebiet östlich der Alexander- und Hohenheimerstraße zugewiesen. Im gleichen Jahr ging des Gebiet um die Albert-Schäfflen-Straße an die neue Kirche und Pfarrgemeinde Bruder Klaus über. Pläne zum Bau einer Kirche im Gebiet Killesberg wurden nicht realisiert. Prälat Vogel übernahm aus gesundheitlichen Gründen 1970 die kleine Pfarrei Königseggwald.

 

 

Kapitel 6: Die Domgemeinde St. Eberhard, Konkathedrale des Bischofs (ab 1978)Nachfolger wurde Monsignore E r i c h  S o m m e r (1970 - 1986), bisher Direktor des Wilhelmstiftes in Tübingen, als 11. Pfarrer und 1. Dompfarrer von St. Eberhard und Dekan. Kirche und Gemeindezentrum Mariä Verkündigung auf dem Frauenkopf wurden 1970 als Seelsorgestelle von St. Eberhard übernommen. Weitere Projekte waren die Eröffnung des Kindergartens in der Heusteigstraße, die Renovierung des Gemeindesaals und die Neugestaltung des Chorraumes. Ein großer Tag für St. Eberhard war die Umbenennung des Namens der Diözese in Rottenburg - Stuttgart und die Erhebung der Eberhardskirche zur Konkathedrale des Bischofs mit den künftigen Bezeichnungen: Domkirche, Dompfarrer und Dompfarramt. 1982 ertönte erstmals die neue Albiez-Orgel. 1985 erhielt Dompfarrer Sommer das Bundesverdienstkreuz und den Titel eines Geistlichen Rates der Erzdiözese Salzburg als Anerkennung der Pflege der guten Beziehungen zur dortigen Erzdiözese. Dompfarrer Sommer trat 1986 den Ruhestand an und übernahm noch einen Seelsorgeauftrag in St. Elisabeth.

 

 

12. Pfarrer, 2. Dompfarrer und 1. Stadtdekan wurde       B e r n h a r d  K a h (1986 - 2001), bisher Direktor des Priesterseminars in Rottenburg. Architekt Bert Perlia gestaltete den Innenrum der Kirche weit, hell und klar und fügte die neue Galerie gekonnt an. Großzügiges Gastrecht bot uns über die Umbauzeit die evangelische Leonhardsgemeinde. Die neue Stelle des Stadtdekans von Stuttgart wurde 1996 mit der des Dompfarrers in St. Eberhard institutionell verbunden. Einer Neugestaltung mit künstlerischem Akzent wurde der Gemeindesaal unterzogen. 2001 wurde die Seelsorgeeinheit St. Eberhard mit der Seelsorgestelle Mariä Verkündigung auf dem Frauenkopf und der Pfarrei St. Konrad gebildet mit Sitz des leitenden Pfarrers in St. Eberhard. Der Pfarrer von St. Konrad wird 2. Pfarrer in St. Eberhard. Im gleichen Jahr wurde die wunderschöne Kapelle im Marienheim eingeweiht. Prälat Kah 1993 zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt, trat am 1.7.2001 in den Ruhestand.

 

 

13. Pfarrer, 3. Dompfarrer und 2. Stadtdekan und Vorsitzender der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart wurde M i c h a e l  H.  F.  B r o c k, bisher Pfarrer in Stuttgart-Sommerrain und Dekan von Stuttgart-Bad Cannstatt, dem zum 1. Januar. 2002 der Titel eines Päpstlichen Ehren-Prälaten verliehen wurde. Bischof Fürst sah in diesem Ehrentitel eine Aussage zur Bedeutung des Dienstes und Wirkens an der Konkathedrale in der Landeshauptstadt und somit auch gewollte Anerkennung für alle Katholiken der Stadt. Die Neubesetzung der Stelle des Dompfarrers an St. Eberhard bereitete nicht in der Person sondern im Ernennungsverfahren zunächst Unsicherheit, weil bei der Gründung des Stadtdekanats die Stelle des Dekans mit der des Dompfarrers institutionell verbunden wurde und somit Wahlrecht und Ernennungsrecht konkurrierten. Gelöst wurde und wird dieses Problem künftig durch die Zusage des Bischofs den gewählten Stadtdekan auch zum Dompfarrer zu ernennen. Mit Veröffentlichungen im Bereich Liturgie und Verkündigung ist Dompfarrer Brock in der Medienwelt seit 1991 tätig. Einprägsam seine theologischen Aussagen im Predigtdienst für die Gemeinde und in der Auslegung des Gotteswortes. Aufsehen erregte sein Eintreten gegen die Gewalt im Stuttgarter Bürgerstreit um das Projekt Stuttgart 21. Zum 1. Mai 2012 erfolge seine Berufung als Personalvorstand der Stiftung Liebenau mit feierlicher Einführung mit Festgottesdienst durch Bischof Fürst am 15. Juli in der Marienkirche zu Liebenau mit der Sorge um die kirchlich-katholische Ausrichtung dieser länderübergreifenden Stiftung mit 6000 Mitarbeiter an 90 Standorten in Deutschland, Österreich, Italien, Bulgarien und der Schweiz. Unsere guten und dankbaren Wünsche begleiten Prälat Brock, dem die Gemeinde eine gelungene Renovation der Eberhardskirche, den Bau des Hauses der Katholischen Kirche und der Dommusikschule verdankt.

 

 

14. Pfarrer, 4. Dompfarrer an der Konkathedrale St. Eberhard und 3. Stadtdekan sowie Vorsitzender des Gesamtkirchengemeinde Stuttgart und Vorsitzender des Caritasrates des Caritasverbandes Stuttgart wurde der bisherige Pfarrer der Stuttgarter Kirchengemeinde St. Elisabeth und St. Clemens, D r.  C h r i s t i a n  

H e r m e s. Seine Investitur als Dompfarrer erfolgte am 23. Oktober im 10 Uhr Gottesdienst in St. Eberhard durch Generalvikar Prälat Dr. Clemens Stroppel. Dompfarrer Dr. Hermes übernimmt die Gemeinde St. Eberhard im 200. Jahr ihres Bestehens mit dem Willen, auf die Menschen zuzugehen und sie zum Glauben zu begeistern. Nahziel im weltlichen Bereich der Kirche in Stuttgart ist die Regulierung und Straffung des Immobilien- und Finanzbereichs der Stuttgarter katholischen Kirchengemeinden. Der 41jährige neue Dompfarrer ist in Baden-Baden geboren und als Vikar tätig in Leutkirch und Tübingen.

 

 

Zusammengestellt nach vorhandener Literatur und nach Archivakten:

Egon Hopfenzitz, 1.11.2002. Berichtigt und ergänzt 01.05.2012

 

 
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